Es ist soweit, 42,2 km stehen wieder im Programm. Die Wochenendtour geht Samstagfrueh los mit grossem Bus, bis zum letzten Platz gefuellt mit 60 Laufenthusiasten. Rueckkehr wird sein am Sonntag spaet gegen 23 Uhr. Der Marathon startet schoen frueh um 9:30 Uhr zusammen mit den 30k- und 12,3k-Laeufern. Unser Hotel liegt – es ist das gleiche wie im letzten Jahr – in der Stadtmitte, also in der direkten Umgebung des Start- und Zielbereiches. Das Wetter – so die Prognosen – soll trocken, sonnig, leicht boeig-windig und warm (bis 18°C) werden. So, das sind die einen Rahmenbedingungen, auf die ich keinen Einfluss habe. Auf die andere Rahmenbedingung habe ich umso mehr Einfluss gehabt, die Vorbereitung – mein Training.

Und die war nur sub-optimal, denn im Januar konnte ich ueber fast 4 Wochen nicht vernuenftig/regelmaeßig/sinnvoll trainieren auf Grund einer hartnaeckigen Erkaeltung; zusaetzlich, und das sehe ich als ein entscheidendes Manko, muss ich mehr an meiner Gewichtsentwicklung arbeiten. Leider gab es in dieser Vorbereitung keine! Ich meine, es gab keine Gewichtsentwicklung nach unten in den letzten Monaten. Es lag staendig bei 87-89kg. Ich glaube, mein Gewicht ist die groesste Herausforderung meines Trainings, die ich mal wieder nicht zielgerichtet bewaeltigt habe. Is ja nich schlimm, is eben nur schade.
Die Strecke:

Die vier:

Gut, nun ein kleiner Zeitsprung zum Start. Da steh ich nun, noch 3 Minuten. Nochmal strecken, huepfen, motivieren, pruefen, ob alles da ist (wenn nicht, waer’s nun eh zu spaet). Uhr funktioniert? Mal umschauen, ob ein bekanntes Gesicht in der Naehe ist? Noch 2 Minuten. Wo ist Ivan Trs? (Im Vorfeld wurden wir beide immer wieder in einen Wettkampf-Topf gesteckt: wer ist der Bessere? – Ich denke, das ist Ivan. Er ist im letzten Jahr hier 2:49 gelaufen und das sind 7min besser als meine bisherige Bestzeit, also eine Klasse besser) Ich kann’ ihn nicht entdecken. Er wird auf 4:00min/km unterwegs sein. Ich peile anfangs eine km-Zeit von 4:08min an. Er wird also relativ schnell aus meinem Sichtfeld nach vorne verschwinden. Noch eine Minute. Tief und ruhig durchatmen….

Peng… es geht los. Alles in allem starten hier in den drei Distanzen etwa 1100 Laeufer. Da es hier keine Startboxen fuer verschiedene Zielzeiten gibt, rechne ich damit, dass es auf dem ersten Kilometer ein interessanter Zickzack-Lauf sein wird. Ja, so ist es auch am Anfang. Die Strasse wird nach 200m allerdings sehr breit, so dass das weniger ein Problem ist. Ich finde schnell mein angenehmes Tempo und ich bin schon gespannt, wie schnell das ist. Das erste Kilometerzeichen entdecke ich nicht am Strassenrand. Es ist noch zu voll und ich weiss gar nicht, wie die hier auf der Strecke ueberhaut aussehen. Also dann… da vorne… das 2te Kilometer-Schild: Ich stoppe 8:10 – hey, ganz schoen schnell. Ich verzoegere ganz leicht. Der dritte Kilometer geht mit 4:08 weg, der vierte mit 4:07, der fuenfte mit 3:56: He?? Da steht wohl das Kilometerschild nicht richtig. Tatsaechlich, Kilometer 6 liegt bei 4:18. Damit scheint der Entfernungsfehler wohl wieder korrigiert. Und ich laufe schoen gleichmaeßig.
Ich fuehle mich sehr gut. Ivan sehe ich noch immer vor mir. Naja, ich bin etwas schneller als geplant unterwegs und er vielleicht 1-2 Sekunden langsamer – noch(?).
Die naechsten Kilometer absolviere ich mit 4:02 – 4:05 – 4:05 – 4:05 – 4:02; 11 km sind nun schon vorbei. Inzwischen hat sich ein Laeufer hinter mich geklemmt, der von seiner Frau – vermute ich – per Fahrrad begleitet wird. Wir bleiben, um das mal vorweg zu nehmen, bis etwa km 27 zusammen. Mal laeuft er vorne, mal laufe ich vorne – meistens laufe ich vorne, ist mir irgendwie lieber.
4:03 – 4:03 – 4:14 – 4:08; 15 km erreicht in 1:01:29. Mein 4:08er-Zeitplan – inkl 12:45 fuer die ersten 3km – sieht hier eine Durchgangszeit von 1:02:21 vor. Ich fuehl mich noch immer sehr gut und entscheide mich fuer: Tempo beibehalten. Risiko? Ja, vielleicht. Geh’ ich heute ein. Bedingungen sind prima.
4:10 – 4:06 – 4:14 – 4:08 – 4:10; 20km erreicht bei 1:22:16. Zeit fuer ein Gel. Inzwischen laufen wir auf einem 6km langen, geraden Fahrradweg entlang eines Kanals, nur kleine Schlenker gibts hier, es geht in ganz leichten Wellen auf und ab.
4:10 – 4:10 – da vorne seh ich ein Auto mit Zeitanzeige drauf. Was macht das denn hier? Hmm, kann ja nur bedeuten, dass die fuehrende Frau da vorne unterwegs ist. Tatsaechlich, ich komme schnell naeher. „Die ist ziemlich langsam“, denke ich. Ich ueberhole und laufe fuer einen Kilometer hinter dem Anzeige-Auto hinterher. „Die wird sicher nicht erste bleiben.“ – 4:11 – 4:12 – 4:09; 25km erreicht bei 1:43:08. Zeit fuer ein Gel.
Hmm, werde irgendwie langsamer. Ich pruefe meinen Puls, der liegt bei durchschnittlich 162. Das ist aber niedrig, denke ich – in Berlin hatte ich einen Puls von 168. Wie auch immer, eigentlich alles im gruenen Bereich – Beine gut – Puls gut – Kopf gut – trotzdem, es laeuft nicht gaaaanz rund.
4:12 – 4:08 – Was ist nun? Mein oesterreichischer Mitlaeufer (so hat sich’s mittlerweile rausgestellt) ist nicht mehr da? Keine Ahnung, was los ist? Einfach wech… – 4:12 – 4:13 – 4:10; 30 km erreicht bei 2:04:03. Zeit fuer ein Gel. Bin schon wieder wenige Sekuendchen langsamer geworden.
4:10 – 4:12 – oh, da vorne laeuft Ivan. Hat wohl Probleme heute, vielleicht nicht sein Tag. Ich komme schnell naeher. Ich ueberlege kurz, ob ich eine Weile hinter ihm bleiben soll. Ne, das macht keinen Sinn, der Geschwindigkeitsunterschied ist zu gross. Ich spuere ein klitzekleines nervoeses Kribbeln im Bauch. Kommt es vielleicht doch zu dem Wettkampf zwischen uns, ueber den soviel im Vorfeld gemunkelt und getuschelt wurde? Hat mich wohl doch etwas beeinflusst. Bei km 33 ueberhole ich ihn, wir klapsen uns ab und motivieren uns gegenseitig – 4:12 – 4:12 – 4:11; 35 km erreicht. Wieder Zeit fur ein Gel – das letzte Gel heute. Leider wieder 2-3 Sekunden langsamer geworden, werde also konstant langsamer. Und ich dreh’ mich natuerlich nicht um, um zu schauen wo Ivan ist und bleibt. Mein 4:08er-Plan sieht hier nun uebrigens 2:25:01 vor. Meine tatsaechliche Zeit liegt bei 2:25:00. Da hat mich mein Plan wohl gerade eingeholt
Ich ahne schon worauf das hinauslaeuft…
Die Sonne – das hatte ich dieses Jahr noch gar nicht – brennt mir auf den Nacken. Es ist warm, zu warm. 3 Monate bei -5 bis 10°C trainiert und jetzt das hier. Ich nehme jede Abkuehlung wahr, giesse mir Wasser ueber die Arme. Das hilft, etwas.
4:13 – 4:07 – jetzt kommt noch die laaaange Brueckenrampe – 300m lang (oder so, weiss nicht mehr genau) – 4:37 – sag ich doch, verdammte Bruecke. 200m vor mir, der naechste Laeufer. Es geht nun wieder in die Stadt, da bleibt es flach und die Haeuser spenden Schatten – 3:59 – hmm, oder standen da die Kilometer-Schilder wieder nicht ganz korrekt? – 4:26; puh, 40 Kilometer geschafft. Bin ich zu schnell angegangen? Ist es zu warm? Ich muss ganz schoen beissen und hab’ nun ne ganze Menge Zeit verloren, meine 2:54 kann ich abhaken.
Neu Bestzeit ist noch drin – wird aber knapp – alle paar Meter muss ich mich motivieren – ich kann noch 2-3 Laeufer ueberholen, etwa 15 habe ich auf der 2. Haelfte ueberholen koennen – etwa 5 haben mich ueberholt.
4:30 fuer Kilometer 41 – mannomann. Nochmal motivieren.
4:12 fuer Kilometer 42 – jetzt noch um die eine Ecke, Kopfsteinpflaster, na toll. Egal, alles egal.

ZIEL – 2:56:01 (brutto) – 2:55:50 (netto) – neue PB! – Platz 18 von 516 – nach Netto-Zeit: Platz 17 – KLASSE.
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Mein Halbmarathon-Split: 1:26:26 – 1:29:24
Mein Durchschnittspuls: 163
Meine Boerse: 20 € (da ich unter drei Stunden geblieben bin)

Antonija wird wieder Erste (wie im letzten Jahr) – mit 3:04. Ivan hat noch richtig Zeit liegen gelassen: 3:06. Unsere beiden Besten, Goran Murić und Hrvoje Kovać, werden 2. und 4. (RESPEKT!) mit 2:39. Aber auch sie konnten ihr Projekt 2:35 nicht erfolgreich beenden heute. War insgesamt ein langsames, schweres Rennen. Veronika hatte sich auch viel vorgenommen und wie der Teufel trainiert: aus 3:15 sind 3:25 geworden. Janko, heute mal ohne Schuh ueber die Ziellinie: Dicke Blase an den Fuessen, das erste Mal ueber 5 Stunden; ok, er wills auch nicht mehr krachen lassen, sondern einfach Stueck fuer Stueck seine 100 Marathons erreichen. Tomislav scheiterte bei seinem Versuch, die 3:00 zu durchbrechen – leider mal wieder – nun „nur“ 3:18.
Mal nuechtern betrachtet: Mein Minimalziel einer neuen PB habe ich erreicht. Das war’s auch schon. OK, klingt jetzt echt bloed – aber deswegen schrieb ich ja „mal nuechtern betrachtet“.
Weitere Ziele waren (und bleiben jetzt natuerlich):
- ich komme in die Top-Ten der Klub-eigenen Marathon-Rangliste (hier hat mir ‘ne halbe Minute gefehlt)
- dann steht auf meiner Polar-Uhr 2:52:xx als naechstes Ziel, das bleibt nun stehen
- mein 2:54-Programm fuer heute leicht verpasst
- bin heute nicht sehr diszipliniert gewesen, etwas zu schnell auf den ersten 25km
- andererseits habe ich mutig ein leicht hoeheres Anfangstempo gewaehlt, um zu sehen was geht und dennoch am Ende nicht besonders viel Zeit verloren. Letztendlich ein gutes Rennen.
Fazit: Ich kann das besser!



