Wie? Nach einer Woche Pause schon wieder ein Marathon? Nee, nee. Ganz so verrueckt bin ich nicht. Zuuufaellig haben wir uns vor etwa drei Wochen entschieden, mit Freunden ein Sightseeing-Wochenende in Wien zu verbringen. Dass an diesem Wochenende der Marathon stattfindet, habe ich erst 3 Tage vor unserer Abreise erfahren. Da war ich natuerlich neugierig, ob auch ein Halbmarathon angeboten wurde: das war der Fall, es gibt den Anker Halbmarathon. Allerdings stand auf der VCM-Website, dass es nur noch sehr wenige freie Start-Plaetze gibt und die nur noch per Nachmeldung am Freitag bis 18 Uhr auf der Marathon Messe “Wien Aktiv” vergeben werden - das an unserem Anreisetag (!), und wir haben noch 4 Stunden Fahrtzeit vor uns. Hmm, die Chancen stehen also eher schlecht: erstens puenktlich da zu sein und zweitens einen freien Platz zu ergattern.
Naja, da ich ja noch mitten in der Erholungsphase des Bonn-Marathons stecke, waere es eh’ nur ein Relaxing-Sightseeing-Fun-Lauf. Fuer den Fall, dass es nicht klappt mit dem Startplatz, werde ich alternativ durch den einen oder anderen schoenen Park laufen, vielleicht auch ein paar Kilometer an der schoenen Donau. Als erstes denke ich da im Moment an den Schoenbrunner Schlosspark, denn in der Naehe haben wir eine Unterkunft gefunden.
Freitag gehts also mit dem Auto los, durch Slowenien, an Graz vorbei und dann nach Wien. Ist ja gar nicht so weit. Unterwegs regnet es ziemlich viel, allerdings soll es nun stuendlich schoener werden, so dass am Sonntag nur noch blauer Himmel und strahlender Sonnenschein uebrig bleibt ;-).
In Wien geht’s erstmal zur Messe, was sich ohne detaillierten Stadtplan und ohne Navi als nicht ganz einfach erweist, wir schaffen es nicht ohne einen kleinen Umweg. Schließlich angekommen (noch etwa 1 Stunden Zeit bis Messe-Ende), muss ich zunaechst um das halbe Messegelaende herumlaufen, denn wir parken natuerlich auf der “falschen” Seite. Am Nachmeldeschalter angekommen, frage ich ganz vorsichtig nach, ob evtl. noch ein Halbmarathon-Startplatz verfuegbar ist: “Freilich, wir haben noch gaaanz viiiiele!” Hmmm. OK, mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet und bin ueberrascht und gleichtzeitig happy, bei diesem Riesenevent als Laeufer starten zu duerfen; es starten immerhin etwa 30.000 Laeufer.
Meine Startnummer:
Ich zahle 50€ Startgebuehr (wer spaet kommt, zahlt doppelt!) und hole mir meine Startunterlagen und den Goody-Bag ab (da sind ein paar Sponsoren-Artikel drin: Muesli, Duschgel, Riegel, Wasser…). Danach noch meinen ChampionChip registrieren (denn ich hab’ nun einen eigenen) und schnell zurueck zum Auto, dort warten meine Suessen, und zum Hotel.
Samstag ist Sightseeing angesagt: tolle Stadt, beeindruckende Architektur, Zustand der Gebaeude im Zentrum ist top! - mehr gibt’s hier nicht zu berichten - selber hinfahren!
Nun zum Halbmarathon: Sonntag morgen um 7Uhr aufstehen. Das leckere Fruehstuecks-Buffet im Hotel nehme ich heute nicht, sondern nur ein Sandwich mit Frischkaese und Ei. Das esse ich auf dem Weg zur U-Bahn-Station, ich steige in Schoenbrunn ein. Ein Ticket brauche ich nicht mehr zu kaufen, mein 24-Stunden-Ticker von gestern frueh ist noch gueltig (kostet nur 5,70€ - echt guenstig - wie ich finde).
Ich fahre quasi durch das ganze Zentrum (inklusive einmal umsteigen) und mehr und mehr Laeufer steigen in die Bahn. Wir ueberqueren am Ende der Fahrt die Donau und steigen an der Station Kaisermuehlen aus. Es ist noch nicht viel los. Ich verschaffe mir erstmal einen Ueberblick ueber die Startbloecke, dann suche ich den richtigen LKW (schaetzungsweise stehen dort 30 LKW’s in zwei Reihen hintereinander), der meinen Kleidersack spaeter zum Zielbereich bringt. Ich aendere noch etwas meine “Kleiderordnung” und trage nun kurze Tights und ein Kurzarm-Shirt. Es ist noch etwas frisch; da aber keine Wolke am Himmel steht, wird die Sonne heute richtig einheizen…
Da die LKW’s hinter den Startbloecken stehen und ich mit meiner aktuellen HM-Bestzeit ganz vorne starten darf, passiere ich nochmal den kompletten Startbereich. Auf halber Strecke nutze ich die Chance, ein ToiToi zu inspizieren. Inzwischen, es ist 8:30 Uhr, also noch 30 min bis zum Start, ist es richtig voll hier. Als ich meinen Startblock erreiche ist der Blick zurueck auf die “Verfolger” sehr beeindruckend - eine sechsspurige Strasse auf mehreren hundert Metern voll mit Menschen:
Punkt 9 Uhr geht es los. Wahnsinn, wie sich hier langsam alles in Bewegung setzt, ich drehe mich immer wieder um, wirklich faszinierend.
Ich hatte vorher schon bei meiner family angekuendigt, dass ich etwa 1:35 bis 1:40 laufen will, damit laufe ich nicht zu schnell und kann die Strecke genießen. Die Strecke bleibt relativ eben, es gibt so gut wie kein Wind, Temperatur ist sehr angenehm. Immer wieder gibt es groeßere und kleinere Inseln mit begeisterten Fans und Neugierige, die am Streckenrand die Laeufer anfeuern. Hmm, eigentlich gibt es gar keinen Streckenabschnitt ohne Fans. Teilweise wird die Strecke sogar mit Mozart beschallt, Cheerleader performen am Straßenrand, Trommler gibt’s auch jede Menge.
Meine Tempo liegt bei etwa 4:25-4:30 min pro km, sehr angenehm. Zwischendrin frage ich mich allerdings, ob ich vielleicht zu euphorisch bin, eine Woche nach dem Marathon schon wieder einen Halbmarathon zu laufen? Ich spuere auch etwas meine hinteren Oberschenkelmuskeln, die brauchen wohl mal ‘ne laengere Pause (naja, die haben ja letzte Woche auch meine Unterschenkel 35000mal hochgehoben). Im Grunde aber alles Kleinigkeiten… aber nicht zu unterschaetzen!
Ich spule also weiter meine Kilometer ab und freu’ mich schon auf die letzten 100m vor dem Ziel, denn dort liegt Fussballrasen (!) als Vorzeichen fuer die kommende Europameisterschaft in Osterreich und Schweiz. Wie immer gibt’e etwas Gedraengel an den Versorgungsstellen. Die sind hier alle 5kmaufgestellt, dazwischen gibt’s unregelmaeßig noch weitere Staende mit Schwamm-Wasser, aber auch mal Becher-Wasser. So ganz offiziell schienen mir diese “Dazwischenstaende” nicht zu sein. Egal, ich hab’ ueberall eine Kleinigkeit getrunken.
Die 21 km gingen schon wieder viel zu schnell vorbei!
Im Zielbereich angekommen, empfaengt mich eine Riesenstimmung und ich habe keine Chance, meine “Fans” zu finden, ich sehe sie weder am Rand stehen noch auf der Tribuene sitzen. Auf “dem Rasen” laufe ich geniessend etwas langsamer und schließlich finishe ich mit 1:33:58. Ganz ordentlich fuer einen Relaxing-Sightseeing-Lauf, oder? Und gleichzeit mein bisher langsamster Halbmarathon.
Gleich nach dem Finish werden wir aufgefordert, doch bitte zuegig weiter zu gehen, um Platz fuer die noch kommenden Laeufer zu machen. Es geht hier wirklich Schlag auf Schlag, die Laeufer finishen hier im Sekundentakt…
Die Medallie bekomme ich auch gleich in die Hand gedrueckt…
Ich gehe zuegig weiter in den Verpflegungsbereich (es gibt scheinbar nur Wasser!), ich bleibe nur kurz und bekomme beim Ausgang noch einen Verpflegungsbeutel mit Banane, Apfel, Muesli-Riegel, Wasser, Saft…. OK, wenigstens etwas zu beissen
Ich verlasse den Zielbereich und treffe sofort auf meine Suesse, Henrik und Bjarne. Da ich meinen Kleiderbeutel abholen will, trennen wir uns nochmal. Und das ist nun wirklich kurios: Um zu den LKW’s mit den Kleiderbeutel zu kommen, muessen tatsaechlich alle Halbmarathonis die Marathonstrecke ueberqueren… das ist ueberhaupt kein Spass fuer die Marathonis.
Insgesamt war das ein beeindruckendes Erlebnis, hier muss man wirklich in groeßeren Maßstaeben denken als z.B. bei einem Marathon in Zagreb. Es standen viele, viele Fans an der Strecke und die Stimmung am Rand der Strecke war wirklich klasse.
Bzgl. Verpflegung fand ich Bonn allerdings deutlich besser! Auch insgesamt hat mir Bonn besser gefallen. Vielleicht weil es nicht ganz so riesig war…
Das war nun ein guter Vorgeschmack auf Berlin, da wird’s dann noch etwas groeßer, allerdings nur ein wenig (zumindest bzgl. der Anzahl der Starter - bei den Finishern siehts da anders aus, da in Berlin alle ca. 35000 Marathon laufen werden und in Wien waren’s nur 8000). Und meine Idee, den Marathon dort auf Zeit zu laufen und evtl. die 3-Stunden zu unterbieten, werde ich nochmal ueberdenken. Vielleicht ist so eine Riesenveranstaltung dafuer gar nicht so geeignet, denn wenn da reihenweise Laeufer unter 3 Stunden reinkommen ist das nicht mehr sooo besonders. Mal sehen.
Bis zum naechsten Mal…
Statistik
Distanz: 21,097 km
Dauer: 1:33:58
avrgHF: 161
Platz: 423/8005
bei M40: 65/1037
Downloads
Strecke: Streckenplan





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